Scheinwelten


Die Ausstellung im Jahr 2017 "Scheinwelten" ist im Huck-Beifang-Haus in Burgsteinfurt.

Vernissage am 07. Mai um 11:00 Uhr und Ausstellungsende ist am 05. Juni.

Der Kunstverein Steinfurt e.V. ist Gastgeber.

Einführung in die Ausstellung durch Reinhard Tempelmann

 

Ich freue mich, dass so viele der Einladung gefolgt sind sich die Ausstellung der Westfälischen Künstlergruppe Kim, die in Kooperation mit dem Kunstverein Steinfurt stattfindet, anzuschauen.

 

Ich sehe hier alte Bekannte, die uns schon lange die Treue halten, aber auch viele neue Gesichter, denen die Gruppe Kim bisher vermutlich noch kein Begriff war. Um neue Werke zu zeigen und Menschen zu erreichen, die bisher von unserer Existenz noch nichts wussten, das ist unter anderem unser Antrieb für solche Ausstellungen. Wir sind in weiten Teilen Westfalens  und darüber hinaus, z. B. auch in den Niederlanden, eine seit 27 Jahren bekannte und etablierte Gruppierung, Steinfurt und Umgebung gehörte bisher nicht dazu. Ich bin daher dem Kunstverein Steinfurt, der Vorsitzenden Frau Hemker-Möllering und vor allem Frau Mertins, die uns tatkräftig unterstützt hat, dankbar für die Möglichkeit hier ausstellen zu können.

 

Zunächst einmal zu uns, der Westfälischen Künstlergruppe Kim. Kim bedeutet Kunst ist mehr, diesen Namen habe ich nicht erfunden und würde ihn so auch nicht wählen. Aber so ist das mit Erbschaften, man hat wenig Einfluss auf die Vergangenheit, dafür können wir aber mit dem Vorhandenen die weitere Zukunft gestalten, mit der dann unsere Nachfolger klar kommen müssen. Wir existieren seit nunmehr 27 Jahren, ein biblisches Alter für eine kreative Vereinigung. Natürlich haben in dieser Zeit viele frühere Mitglieder unseren Kreis wieder verlassen, andere sind dazugekommen. Stolz sind wir darauf, dass immer noch einige Gründungsmitglieder dabei sind. Diese sind Garant dafür, dass wir mit dem Erbe sorgsam umgehen, aber auch das Neue, die Erneuerung ist dabei nicht zu kurz gekommen.

 

Hervorgegangen ist Kim aus einer sehr großen Künstlervereinigung. Unser jetziger Ehrenvorsitzender Walter Köller war mit der dadurch bedingten Unübersichtlichkeit der Gruppe unzufrieden und gründete unsere Gruppe mit der Maßgabe, dass sie maximal 20 Mitglieder umfassen sollte. Dies und unser Bestreben Künstler unterschiedlichster Kunstgattungen und Ausdrucksformen unter dem Dach Kim zu versammeln war und ist unser Bestreben. Wir haben zurzeit 18 Mitglieder. Abhanden gekommen sind uns die Poetin und der Musiker. Diese Plätze sind in Zukunft neu zu besetzen.

 

Wir legen zudem Wert darauf in einen Austausch miteinander zu treten und Anregungen zu erhalten, die u.U. auch mal neue Wege für den Einzelnen aufzeigen können. Einmal im Jahr stellt ein Mitglied seinen Bereich vor und wir arbeiten dann einen Tag oder ein Wochenende miteinander. In diesem Jahr wird das im Juli im Atelier von Norbert Then sein. Norbert Then arbeitet überwiegend mit Metall. Eine Skulptur von ihm befindet sich auch in dieser Ausstellung. Darüber hinaus hat es auch schon mehrere Kooperationen verschiedener Mitglieder von Kim gegeben, so bei dem Entwurf und der Ausführung eines Brunnens im öffentlichen Bereich und bei der Erstellung eines Fensters einer Einsegnungshalle. Aber auch im Kleineren gibt es diese Kooperationen.

 

Bei unseren Ausstellungen versuchen wir uns thematisch dem Ort der Ausstellung zu nähern. Nun ist das
Huck-Beifang-Haus real und war vermutlich noch nie eine Scheinwelt. Aus heutiger Sicht allerdings ist die Realität zu Zeiten der Errichtung dieses Hauses nicht mehr direkt erleb- und erfahrbar. Sie hat mit unseren heutigen Lebensumständen nicht mehr viel gemein und erscheint uns daher eher als Schein. Außerdem sind wir bei unseren Arbeiten natürlich auch von unserer heutigen Realität beeinflusst in der Wahrheiten immer weniger eine Rolle zu spielen scheinen. Offen wird in Scheinwelten geflüchtet mit u. U. verheerenden Folgen. Fake News und alternative Fakten haben Hochkonjunktur, werden aber häufig nicht mehr als unwahr wahrgenommen. Die Flucht in diese Unwahrheiten, bzw. Scheinwelten haben anscheinend einen kurzfristig entlastendes Moment in einer belastenden Gegenwart und werden deshalb von vielen hingenommen.

 

Auch der Kunst wird häufig vorgeworfen in einer Scheinwelt zu agieren, im Elfenbeinturm zu sitzen. Der Duden bezeichnet eine Scheinwelt als nicht wirkliche, aber als wirklich erlebte Welt. Das ist sicher nur eine mögliche Interpretation. Was ist eine Scheinwelt, was Realität, gibt es so etwas wie Realität überhaupt? Wir haben Annahmen, glauben zu wissen, was Realität ist, dabei sollte uns eigentlich klar sein, dass jeder von uns eine eigene Sichtweise, also auch eine eigene sehr persönliche Realität hat.

 

Manchmal kann das Leben in einer Scheinwelt Realitätsflucht sein, phantasiemäßige Erfüllung von Wünschen und Sehnsüchten, manchmal eine psychische Störung und Mittel in dieser Welt überleben zu können. Auf der anderen Seite und das ist bestenfalls auch in der Kunst so, hat sie utopischen Charakter. Die Distanz zur Wirklichkeit ermöglicht in andere Richtungen zu denken, ausgetretene Pfade zu verlassen und letztendlich Veränderungen zu ermöglichen, also auch neue Realitäten zu schaffen bzw. einen Prozess anzustoßen.

 

Wie sich die einzelnen Mitglieder von Kim dem Thema genähert haben ist sehr individuell und der Zugang zum Thema gibt manchmal auch Hinweise auf die Befindlichkeit des Künstlers. Ich will mir nicht anmaßen die Psyche meiner Mitstreiter zu analysieren, deshalb versuche ich dies an einem meiner Bilder zu konkretisieren. Karneval ist für viele, die diese Form des Zeitvertreibs lieben vermutlich die einzig wahre Realität. Dass ich das Thema unter Scheinwelten einordne zeigt wohl mehr mein Verhältnis zum Karneval als dass es sich wirklich um eine Scheinwelt handelt. So werden sie vermutlich viele Bilder finden, bei denen sie sich fragen wo ist den da die Scheinwelt. Manchmal kommt es sehr subtil daher wie das Boot, das sich noch fast unsichtbar in die Stille eines Moores schiebt, manchmal ist es plakativer, manchmal ist nur noch der Schein übrig, die Welt ist wohl verloren gegangen.

 

Verziehen werden sollte Künstlern, die erst kurz unserer Vereinigung angehören und in der Kürze der Zeit nicht mehr zum Thema arbeiten konnten, Beispiel Michael Scharenberg, der erst vor kurzem zu uns gestoßen ist.

 

Ich möchte keine bestimmten Künstler herausheben. Außerdem können die Eigentümer der Werke diese wohl am Besten erklären. Da einige anwesend sind, sollten sie sich bei Interesse nicht scheuen, diese anzusprechen und sich die Werke erklären lassen.

 

Ich wünsche ihnen nun viel Vergnügen mit den ausgestellten Werken. Danke für ihre Aufmerksamkeit.